Hört man sich die Vorträge der Versicherungswirtschaft zum Alterseinkünftegesetz an, so kann man völlig neue, wenn auch nicht ganz klar ausgesprochene Töne entdecken: Die Branche geht eindeutig in die fondsgebundene Richtung. Bei den Szenarien zum Schließen der dargestellten Versorgungslücken werden offenbar bereits solche Produkte vorausgesetzt, die in der Lage sind, zufriedenstellende Renditen abzuwerfen. Mit 2,75% kalkuliert offenbar niemand mehr und die klassischen Produkte werden kaum noch erwähnt. Daß die Versicherungsbranche die neue, ungewohnte Realität in erster Linie unter dem steuerlichen Aspekt analysiert, ist zwar traurig , aber entschuldbar - man hat letztendlich jahrzehnte lang nur mit diesem Argument agiert. Es ist eben ein Beispiel für konventionelles Denken in der neuen, fondsgebundenen Welt, in der Welt der effizienten Produkte.

Hochinteressant sind die Reaktionen der Tages- und Fachpresse auf die neue Situation. Wie immer um die Auflagen besorgt und tendenziell prozyklisch, trauert sie zunächst der vergangenen Epoche nach und paßt sich hervorragend der Betrachtungsweise der Assekuranzen und der Leser an. Insbesondere beim Analysieren der Rürup-Rente zieht man ausschließlich die steuerlichen Aspekte in Betracht (Handelsblatt: “Rürup-Rente lebt vom Steuervorteil”) und macht zum Teil abwegige Vergleiche der Basisvorsorge (mit 2,75% p.a.) mit den Fondsanlagen, die aus dem Nettoeinkommen finanziert werden. Zu welchen Resultaten der Steuerwahn führen kann, zeigen am besten die grotesken Schlußfolgerungen einer großen deutschen Tageszeitung, welche als Hauptgewinner des Alterseinkünftegesetzes die jetzigen Rentner sieht: Vereinbart man eine Sofortrente als Basisvorsorge, so kann man in diesem Jahr 60% der Aufwendungen steuerlich geltend machen, muß hingegen nur 50% der Rentenbeträge versteuern und kann sich dadurch einen echten Steuervorteil verschaffen.

All dies sind Beispiele für ein tiefverwurzeltes Subventionsdenken in einer Zeit des Subventionsabbaus. Daß es die Journalisten zur Zeit nicht anders können, ist zum Teil verständlich und entschuldbar - letztendlich sind sie alle in einer Subventionsgesellschaft aufgewachsen. Die erschienenen Artikel bestätigen aber den starken Verdacht, daß eine langjährige Steuerfreiheit zu einer verhängnisvollen Steuerblindheit führen kann.
Ausschließlich mit der steuerlichen Seite beschäftigt, konnte bis jetzt keiner der Journalisten die wichtigste Entdeckung machen: Die Rürup-Rente lebt in erster Linie von ihrer Effizienz und dem gesetzlichen Schutz.

Durch die Zulassung von modernen, fondsgebundenen Produkten hat man endlich die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, daß die Versorgungslücke auf eine zumutbare Art und Weise geschlossen werden kann, ohne daß man dafür - wie bei den klassischen Produkten - fast sein gesamtes Nettoeinkommen aufwenden müßte. Durch die Hartz-IV– und Insolvenzsicherheit (die häufigsten Fragen in 2004!) hat das Sparen fürs Alter erst einen echten Sinn bekommen.

Alle brauchen die Rürup-Rente, unabhängig von den steuerlichen Aspekten. Kann man den Steuerabzug geltend machen, so hat man lediglich einen zusätzlichen Vorteil. Natürlich nur unter der Voraussetzung, daß man die freiwerdenden Mittel nicht konsumiert, sondern diese wieder für die Altersvorsorge investiert.

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